Mountainbike-Gruppe Mehrtagestour in Graubünden – Home of Trails Calanda-Reisen – Carbon statt Kondition

Die Vorfreude auf das diesjährige Mountainbike-Wochenende wurde bereits zu Jahresbeginn von unserem Premium-Tourenplaner Johannes angeheizt. Als perfekte Einstimmung verschickte er den legendären Graubünden-Werbespot, der uns die gesamte Tour über begleiten sollte. Darin beobachten zwei Bündner Steinböcke einen keuchenden Mountainbiker bergauf beobachten und kommentieren trocken: „Schau, schau, schau, jetzt kommt wieder einer. Einen Krampf hat er. Ei, ei, ei! Schau, wie er kämpfen muss. Kämpfe, kämpfe, kämpfe. Ganz einen roten Kopf hat er. Und ein teures Velo hat er. Carbon statt Kondition. Hop, hop!“ Treffender hätte man unser Wochenende kaum ankündigen können.

Los ging es am Freitagmorgen für unsere Verhältnisse ausgesprochen gemütlich – erst um 7 Uhr. Möglich machte das der bereits am Vorabend komplett beladene Neunsitzer. Während der Fahrt nach Graubünden nutzten die meisten die dreieinhalb Stunden, um noch etwas Schlaf nachzuholen.

 

In Trin angekommen wurden die Bikes direkt ausgeladen und ohne Umwege die erste Tour gestartet. Über Flims führte der Anstieg zunächst zum Punt Desch, ehe mit dem Runca Trail einer der bekanntesten Flowtrails der Schweiz auf uns wartete. Nach der Mittagspause ging es weiter zur Aussichtsplattform Il Spir mit ihrem beeindruckenden Blick auf die Schlucht des Vorderrheins. Es folgte eine technisch anspruchsvolle Abfahrt in die Schlucht, anschließend der Gegenanstieg Richtung Versam, eine weitere Abfahrt bis an den Vorderrhein und schließlich Schlussanstieg zurück nach Trin.

Erst danach bezogen wir unser Quartier in der Jugendherberge Trin. Untergebracht waren wir in gemütlichen Achtbettzimmern. Wobei das Wort „gemütlich“ durchaus Interpretationsspielraum ließ. Ein defektes Dachfenster sorgte insbesondere in den oberen Betten für nahezu tropische Nachttemperaturen.

Der späte Tourstart am Freitag hatte allerdings einen entscheidenden Vorteil: Der berüchtigte Calanda-Modus, ein Phänomen, das erfahrungsgemäß nach einer frühen Anreise und zu viel Zeit zwischen Tourenende und Abendessen beim ersten Kontakt mit regionalen Spezialitäten einsetzt, konnte gar nicht erst ausbrechen. Somit waren am Samstag noch genügend Körner für die Königsetappe vorhanden.

Nach einem Shuttle nach Alvaneu begann diese ohne lange Vorrede mit zwölf Kilometern Anstieg und rund 1.400 Höhenmetern zum Furcletta-Pass. Spätestens dort wurde klar, dass die Steinböcke aus dem Werbespot hervorragende Menschenkenner sind. Auf den letzten Metern, die selbst der mehrfache Mountainbike-Weltmeister Nino Schurter nicht komplett fahrend bewältigt hat, hörte man innerlich immer wieder: „Kämpfe, kämpfe, kämpfe … Carbon statt Kondition.“

Die Belohnung ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Es folgte eine spektakuläre 14 Kilometer lange Singletrail-Abfahrt durch das einsame Welschtobel. Landschaftlich grandios und fahrtechnisch ein echtes Highlight. Nach der Mittagspause in Arosa führte die Strecke über abwechslungsreiche Trails und Straßen hinunter nach Chur, bevor eine letzte Rolleretappe zurück nach Trin den langen Tourentag beendete.

Der Sonntag hatte trotz schwerer Beine noch einmal einen echten Höhepunkt zu bieten. Über den Kunkelpass ging es hinauf zur Ringelspitzhütte. Die langen Rampen mit bis zu 18 Prozent Steigung sorgten erneut für hochrote Köpfe und machten die beiden Graubündner Steinböcke endgültig zu den Maskottchen unseres Wochenendes. Den Abschluss bildete die technisch anspruchsvolle Abfahrt durch den Lavoitobel. Einige Schiebe- und Tragestellen gehörten ebenso dazu wie zahlreiche flowige Trailpassagen. Nach den letzten Kilometern waren alle froh, gesund wieder an der Jugendherberge anzukommen, noch einmal duschen zu können und anschließend bestens verpflegt die Heimreise anzutreten.

Drei erlebnisreiche Tage, 128 Kilometer, über 5.400 Höhenmeter und unzählige Trailmeter bleiben als Erinnerung an ein rundum gelungenes Mountainbike-Wochenende.

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